Cook Islands 2000

Famulaturbericht Mauke

von Ursula Schick und Jutta Schulte

Was wünscht man sich nach einem anstrengenden Kons II Semester auf der Jagd nach Patienten, Endos, Punkten und nach Nächten im OP? Unter Palmen auf einer Südseeinsel in der Hängematte zu liegen?
Dieser Traum wurde für uns Wirklichkeit: Grünes, blaues und türkisfarbenes Wasser, einsame Sandstrände, schillernd bunte Fische beim Schnorcheln in der Lagune, Bananenstauden am Straßenrand... sollte das das Paradies auf Erden sein?
...Unser zahnmedizinischer Einsatz war anfangs auf der Hauptinsel Rarotonga in der dental clinic zusammen mit Dr. Hosking, der auch unseren Aufenthalt auf den Außeninseln (nach unseren Wünschen) incl. Unterkunft organisierte und die Flüge (Miniflugzeug mit 10 Passagieren) zwischen den Inseln buchte, auf denen man ganz selbständig arbeiten kann.

Auf der Außeninsel Mauke wurden wir gleich freundlich von der einzigen Ärztin, deren Gäste wir waren, aufgenommen. Mit bunten Blumenkränzen geschmückt fuhren wir durch das einzige Dorf (600 Einwohner) der Insel und alle goldigen Maori- Kinder winkten uns fröhlich zu. Gleich besichtigten wir "unsere" kleine Zahnstation, bestehend aus einem winzigen Häuschen auf dem Schulgelände. So behandelten wir vormittags die Kinder und nachmittags die Erwachsenen.
Wegen der etwas neueren Möglichkeit Lollies und Eis zu kaufen, sind die Zähne der 4-8jährigen katastrophal, sie lassen sich aber, bis auf wenige Ausnahmen, tapfer behandeln.
Viele Kinder besitzen zuhause keine eigene Zahnbürste, daher putzen sie alle 1x am Tag kurz in der Schule. Wir waren froh über jede Bürste, die wir mitgebracht hatten.
Die Menschen sind zu arm, um wegen ihrer Zähne auf die Hauptinsel zu fliegen und so hatten schon mehrere Patienten mit Abszeß und Antibiotika auf uns gewartet...
Jüngster Patient 2 1/2 Jahre, Frontzahnabszeß; ältester Patient ca. 70 Jahre, Prothesenfrontzähne ersetzt. Das Arbeiten ohne Kofferdam, Absauganlage, Ultraschall manchmal auch ohne Wasserkühlung, mit einem Autoscheinwerfer als Behandlungslampe und dem Lärm des ca. 20 Jahre alten Kompressors im Zimmer, machte die Behandlung zwar manchmal etwas mühsam aber es hat uns trotzdem so viel Spaß und Erfahrung gebracht, dass wir noch gerne länger auf Mauke geblieben wären.
Don`t panic scheint die allgemeine Einstellung eines jeden zu sein. Überstunden sind ihnen unbekannt und unverständlich. Es gibt wohl kaum etwas, was diese liebenswürdigen Menschen aus der Ruhe bringt, noch nicht einmal Zahnschmerzen. Sie haben auch immer Zeit für den nächsten Termin! Die Menschen sind alle sehr freundlich und hilfsbereit und sehr dankbar für die Zahnbehandlung. Sie haben uns spüren lassen, wie sehr sie unser Tun dort schätzten und wir bewunderten die fast naive Ursprünglichkeit mit der sie alles teilten, was sie besaßen und die Sorglosigkeit, mit der sie in den Tag hineinlebten. Kein Wunder, denn die wunderschöne tropische Vegetation, die Sonne und der nährstoffreiche Boden bringen leckere Kokosnüsse, Bananen, Ananas, Sternfrüchte, Papajas, Passionsfrüchte, Zitronen, Melonen und Mangos hervor.
Die Ureinwohner ernähren sich von dem, was im Garten wächst, von herumlaufenden Hühnern und vom vielfältigen Fisch- und Krebsangebot. Typisch ist der "Umu"= Erdofen, in dem das Essen (Fleisch, Fisch und Wurzeln als Kartoffelersatz, Taroblätter, Bananen, alles in Kokosnusssauce) auf heißen Steinen gart. Die Sprache der Ureinwohner ist Maori, aber sie lernen ab dem 6. Lebensjahr englisch. Die Verständigung war kein Problem. Kua tue toou vaa? = Ist die Lippe taub? Das Klima: Feuchte, tropische 30 Grad, nachts kaum kühler. Man schläft mit Bettuch als Decke. Mauke hat keine asphaltierte Straße, keine Leitplanke, keinen Zahnarzt, keinen Polizisten, keine Kriminalität, keine Fenster, keine Straßenlaterne, denn der Strom wird um 12h nachts abgestellt, 20 Autos und eine Zapfsäule! Dort ist es nachts so dunkel wie nirgends auf der ganzen Welt, denn die Insel liegt einsam im Umkreis von 200 Km im Südpazifik. Den Mond, die Sterne, das Kreuz des Südens und die Milchstraße kann man spektakulär gut beobachten.....
...wir möchten diese Zeit in unserem Leben nicht missen und gönnen jedem eine Famulatur und den Blick über den Uni-Tellerrand. Wir wünschen Euch eine ebenso sonnige, erlebnisreiche, sorgenfreie und kokosnussreiche Zeit, wie wir sie noch einmal gerne erleben würden!!! Eure U. und J.

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